Willkommen zurück, Roger Schöpf!

»The Best is yet to come«: Der neue Titel seiner Lieblingsband Accept spiegelt die Einstellung wider, mit der Roger Schöpf seine neuen Aufgaben als Head of Global Operations der CHIRON Group angeht. Warum er nach fast 37 Jahren CHIRON noch lange nicht genug hat? speedfactor hat nachgefragt.

Herr Schöpf, Sie standen, wie die Stuttgarter Zeitung 2018 in einem Portrait schrieb, 37 Jahre »auf der Gehaltsliste« von CHIRON. Jetzt sind Sie zurück in der CHIRON Group. Warum?
Nun, ich möchte natürlich mein 40-jähriges Jubiläum feiern! Spaß beiseite: CHIRON war für mich immer viel mehr als ein Arbeitgeber, ich war aus voller Überzeugung dabei und gefühlt nie ganz weg. Ich habe weiterhin Kontakt gehalten, mich ausgetauscht und die spannende Entwicklung intensiv verfolgt. Bei meiner Tätigkeit für Gühring hatte ich Gelegenheit, den Blick auf die Marktbegleiter im Werkzeugmaschinenbau zu richten und, ich sage es mal recht unbescheiden: CHIRON und heute die CHIRON Group sind schon etwas Besonderes.

Können Sie das näher ausführen? Besonders in welcher Hinsicht?
Für mich machen die Mitarbeiter den Unterschied. Ihre Kompetenz, ihre Innovationskraft und ihr Mut, auch neue Wege zu gehen, sind die Basis für all die Entwicklungen, mit denen wir seit Jahrzehnten Vorreiter im Werkzeugmaschinenbau sind. Der »CHIRON-Spirit« ist nichts, was wir uns nur auf die Fahnen schreiben, den gibt es wirklich. Dieser Wille, gemeinsam zum Erfolg zu kommen, ist einzigartig. Wenn man sich anschaut, wie viele Mitarbeiter in diesem Jahr ihr 10-, 25- oder sogar 40-jähriges Betriebsjubiläum feiern, spricht das für sich. Dieser Spirit ist in der DNA der CHIRON Group verankert und, davon bin ich überzeugt, zentrales Element auch für unseren künftigen Erfolg.

Zuletzt waren Sie in der CHIRON Group als Head of Application verantwortlich für Turnkey-Projekte, jetzt sind Sie Head of Global Operations und haben die Leitung aller Fertigungsstandorte. Was hat Sie an Ihrer neuen Position gereizt, wo liegen die Unterschiede, was ist gleichgeblieben?
Die Applikation steht in direktem Kundenkontakt, bekommt direktes Feedback. Und ist, wenn man so will, Kunde unserer Produktionsstandorte in Neuhausen und Taicang. Jetzt stehe ich quasi auf der anderen Seite, bin Lieferant. Wenn etwas nicht gut läuft, kommt das nur indirekt an. Das könnte man, neben dem veränderten Aufgabenfeld, als Unterschied sehen – das mache ich aber nicht. Es kommt nicht darauf an, ob wir unsere Turnkey-Projekte hier, in China oder Amerika realisieren, ob wir in Taicang oder Neuhausen fertigen. Entscheidend ist das Wie. Es geht um ein gemeinsames Verständnis, um das Ausfahren einheitlicher Strukturen und Prozesse. Schließlich wollen wir alle Kunden, intern wie extern und überall auf der Welt, bestmöglich bedienen. Gleich geblieben ist für mich der globale Aspekt, das Denken und Handeln mit Blick auf die CHIRON Group als Ganzes. Das ist mein Thema, schon immer. Menschen und Kulturen zusammenbringen, voneinander lernen, sich gegenseitig zu Bestleistung motivieren, da kann ich mich voll einbringen.

Als Sie 2019 zu Gühring gewechselt haben, stand die CHIRON Group Precision Factory kurz vor der Eröffnung. Jetzt sind die Hallen voll. Wie war Ihr erster Eindruck und an welchen Stellschrauben muss aus Ihrer Sicht noch gedreht werden?
Die CHIRON Group Precision Factory wurde ja als einzigartig betitelt – und das ist sie, heute noch mehr als bei ihrer Einweihung. Erstmals sind alle an der Endmontage beteiligten Produktbereiche unter einem Dach vereint, ebenso die Marken CHIRON und STAMA. Es gibt in Neuhausen zwar die Produktbereiche eins, zwei und drei, aber wir können Synergien besser nutzen, alles noch enger zusammenbringen und verschmelzen immer mehr zu einer Einheit. Hierfür setze ich auf »mein höchstes Gut«, die Mitarbeiter. Auf den engen, konstruktiven Austausch, insbesondere mit den Team- und Gruppenleitern. Stichwort Stellschrauben: Natürlich gibt es nach der Neuausrichtung hier und da noch Optimierungsbedarf und die momentan angespannte Situation bei der Materialbeschaffung fordert von uns allen mehr Flexibilität und Zusammenhalt. Aber ich bin positiv überrascht und auch begeistert, wie wir gerade in schwierigeren Phasen gemeinsam diese Herausforderungen meistern. Gerade in solchen Zeiten ist unser CHIRON Spirit mehr denn je gefordert und auch wichtig.  

Was hat sich, neben der Neuausrichtung, sonst noch während Ihrer Abwesenheit getan? Wo steht die CHIRON Group heute?
Mich begeistern die neuen Baureihen, die hoch komplexe Technologie. DZ 25 und 28 für großvolumige Bauteile, die neue Baureihe 715 für die Stangenbearbeitung – da stecken die Erfahrung und die Erkenntnisse von Jahrzehnten erfolgreichem Maschinenbau drin. Auch in der Digitalisierung sind wir einen großen Schritt weiter, bieten mit SmartLine und den SmartServices digitale Systeme und Dienstleistungen, die uns auch in diesem Bereich vorn positionieren. Natürlich wird der Markt schwieriger, unsere Wettbewerber machen ihre Hausaufgaben. Aber uns ist es gelungen, den »Vorsprung in Sekunden« nicht nur bei den Span-zu-Span-Zeiten zum Maßstab zu machen, sondern auch im Hinblick auf Innovationskraft, Kompetenz, Service und Nachhaltigkeit. Das sind die Felder, die wir auch weiterhin intensiv bearbeiten müssen. Dann sind wir für unsere Kunden auch weiterhin positiv unterscheidbar.

Was macht der Head of Global Operations in seiner Freizeit, woraus schöpfen Sie Kraft?
Ich war und bin viel unterwegs, habe lange im Ausland gelebt – das wäre ohne den Rückhalt meiner Familie nicht möglich gewesen. Seit ein paar Jahren haben meine Frau und ich das Campen für uns entdeckt und fahren los, wann immer sich die Gelegenheit bietet. Das ist unsere neue Leidenschaft – und natürlich Bruno, unser vierbeiniger Neuzugang. Ein Golden Doodle, mit dem wir im Wohnmobil Deutschland und Europa erkunden. Ansonsten gibt es zwei Dinge, die mich nachhaltig und seit Jahrzehnten begeistern: meine Arbeit und Heavy Metal, vor allem meine Lieblingsband Accept. Ich bin seit den 1980ern Fan der ersten Stunde und kann es kaum erwarten, die Band Anfang nächsten Jahres zu sehen und »The Best is yet to come« live zu hören. Das wird mir einen lauten, kräftigen Motivationsschub für kommende Aufgaben geben :)

Stationen im Überblick

1982     Ausbildung zum Industriemechaniker

1985     Industriemechaniker in Vorrichtungsbau, Montage, Endkontrolle

1989     Anwendungstechniker

1994     Manager Anwendungstechnik

2000     Head of Application Turnkey Projects

2014     Director Turnkey Projects

2019     Geschäftsbereichsleiter Zentralfunktionen Technik & Produktion Gühring KG

2021     Head of Global Operations CHIRON Group